ETF für Anfänger: In 5 Schritten zum ersten Sparplan
Wie du als Anfänger mit ETFs startest: was ein ETF ist, wie du einen auswählst, ein Depot eröffnest und einen Sparplan einrichtest — ohne Vorwissen.
ETFs klingen kompliziert, sind es aber nicht. Wer die fünf Schritte einmal geht, hat danach einen Sparplan, der automatisch läuft — und muss sich kaum noch kümmern. Genau das ist der Reiz: einmal einrichten, dann für dich arbeiten lassen.
Was ein ETF ist
ETF steht für „Exchange Traded Fund", also einen börsengehandelten Fonds. Statt dass ein Fondsmanager einzelne Aktien auswählt, bildet ein ETF einfach einen ganzen Index nach — zum Beispiel den MSCI World mit rund 1.400 Unternehmen weltweit. Kaufst du einen Anteil, bist du an all diesen Unternehmen anteilig beteiligt.
Der Vorteil steckt in der Streuung: Geht es einem Unternehmen schlecht, fällt das im Gesamtpaket kaum ins Gewicht. Du musst weder einzelne Aktien analysieren noch den richtigen Einstiegszeitpunkt treffen. Weil im Hintergrund kein teures Management arbeitet, sind ETFs zudem günstig — und genau diese niedrigen Kosten sind über Jahrzehnte einer der wichtigsten Hebel. Einen Überblick über gängige Welt-ETFs findest du in der ETF-Übersicht.
In 5 Schritten
- Notgroschen zuerst. Bevor du investierst, leg drei bis sechs Monatsausgaben aufs Tagesgeld. Erst dann Geld anlegen, das du lange nicht brauchst.
- Einen Welt-ETF wählen. Ein breit gestreuter Index wie MSCI World oder FTSE All-World reicht für den Anfang völlig. Achte auf niedrige laufende Kosten (TER).
- Depot eröffnen. Bei einem günstigen Broker ist das Depot kostenlos und der Sparplan gebührenfrei.
- Sparplan einrichten. Lege einen festen monatlichen Betrag fest, der automatisch investiert wird. So kaufst du diszipliniert, egal wie die Kurse stehen.
- Nichts tun. Der schwerste Schritt: dranbleiben und nicht bei jedem Kursrutsch verkaufen. Zeit und Geduld sind beim Anlegen die größten Hebel.
MSCI World oder FTSE All-World?
Beide sind gute Startpunkte, der Unterschied ist überschaubar. Der MSCI World enthält rund 1.400 große und mittlere Unternehmen aus etwa 23 Industrieländern — die USA machen darin den größten Teil aus, Schwellenländer fehlen ganz. Der FTSE All-World geht breiter: Er nimmt zusätzlich Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien mit auf und kommt so auf mehrere tausend Unternehmen.
Wer maximale Streuung mit einem einzigen Produkt will, greift zum All-World. Wer bewusst auf Industrieländer setzt, nimmt den MSCI World. Für den Anfang ist die Entscheidung weniger wichtig, als überhaupt anzufangen — beide Indizes bilden den Großteil der weltweiten Aktienmärkte ab.
Thesaurierend oder ausschüttend
ETFs verwalten die Dividenden der enthaltenen Unternehmen auf zwei Arten:
| Thesaurierend | Ausschüttend | |
|---|---|---|
| Dividenden | werden automatisch wieder angelegt | werden aufs Konto gezahlt |
| Zinseszins | läuft von allein weiter | nur, wenn du selbst reinvestierst |
| Passt zu | reinem Vermögensaufbau | wer den Freibetrag nutzen oder Erträge entnehmen will |
Für den langfristigen Aufbau ist die thesaurierende Variante bequem: Der Zinseszinseffekt arbeitet ohne dein Zutun weiter. Ausschüttende ETFs helfen dagegen, den Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr planbar auszuschöpfen. Beide Wege sind richtig — es ist eine Frage der Bequemlichkeit, nicht des Erfolgs.
Auf die Kosten schauen: die TER
Die wichtigste Kennzahl beim Auswählen ist die TER (Total Expense Ratio), also die jährliche Kostenquote. Bei breiten Welt-ETFs liegt sie meist zwischen 0,1 und 0,25 % pro Jahr. Das klingt nach nichts, wirkt über Jahrzehnte aber wie der Zinseszins in umgekehrter Richtung: Jeder Zehntelpunkt, den du sparst, bleibt am Ende bei dir. Ein günstiger, breiter ETF schlägt hier zuverlässig das teure Spezialprodukt.
Warum der Sparplan der Trick ist
Ein Sparplan investiert automatisch jeden Monat denselben Betrag — unabhängig davon, ob die Kurse gerade hoch oder tief stehen. Bei tiefen Kursen bekommst du mehr Anteile fürs Geld, bei hohen weniger. Über die Jahre ergibt das einen Durchschnittspreis, und du musst nie raten, wann der richtige Moment ist. Genauso wichtig: Der Sparplan nimmt die Entscheidung aus dem Alltag heraus. Er läuft weiter, auch wenn die Nachrichten gerade nach Weltuntergang klingen — und genau in solchen Phasen kaufst du günstig ein.
Häufige Anfängerfehler
- Auf den richtigen Zeitpunkt warten. Der beste Tag zum Anfangen ist meist der heutige; Zeit im Markt schlägt das Timing des Markts.
- Zu viele ETFs mischen. Ein breiter Welt-ETF reicht. Fünf sich überschneidende Fonds erhöhen nur die Verwirrung, nicht die Streuung.
- Bei fallenden Kursen verkaufen. Ein Kursrutsch ist erst dann ein echter Verlust, wenn du verkaufst. Wer den Sparplan durchhält, kauft in der Delle sogar günstiger nach.
- Ohne Notgroschen investieren. Wer bei der ersten unerwarteten Rechnung an sein Depot muss, verkauft oft zum schlechtesten Zeitpunkt.
- Nur auf die Rendite schauen, nicht auf die Kosten. Renditen der Zukunft kennt niemand, die TER dagegen steht fest — und die hast du in der Hand.
Der wichtigste Punkt
Beim Anlegen entscheidet weniger die perfekte Auswahl als dein Verhalten: früh anfangen, günstig bleiben, regelmäßig einzahlen und die Nerven behalten. Ein einfacher Welt-ETF-Sparplan, den du 20 Jahre durchhältst, schlägt die clevere Strategie, die du nach zwei Jahren aufgibst.
Wie stark Zeit und Zinseszins deinen Sparplan wachsen lassen, kannst du direkt durchrechnen — und welches Depot dafür günstig ist, zeigt der Depot-Vergleich.